Preisrätsel der BI – Gewinner ist

… Ute hat 10 Fehler und Unrichtigkeiten in den Aussagen des Projektentwicklers Reinhard Müller nicht nur gefunden, sondern auch übersichtlich dargestellt. Das Preisbier nahm sie bei der letzten Aktivensitzung gefasst entgegen – danke, Ute.

Um einmal exemplarisch zu zeigen, wie viele Tatsachenverdrehungen, Unrichtigkeiten und offene Lügen ein Projektentwickler wie Reinhard Müller allein während einer kurzen Pressepräsentation in die Welt setzt, zitieren und kommentieren wir hier (mit Hilfe von Ute und einigen anderen Einsendern) aus dem Text:

Müller hatte das Gelände Ende März erworben (1)

1. Hatte er nicht. Eine Firma, für die Herr Müller beratend oder sonstwie tätig ist hat (wie dies in derartigen Fällen auch branchenüblich ist) eine Kaufoption für Teile des Geländes erworben. Von Kauf spricht man landläufig erst dann, wenn die Übereignung bindend vereinbart ist.

und von seiner Firma „REM+tec“ ein Zukunftsszenario entwickeln lassen. Zunächst pries er die Lagegunst des Standortes: Perfekte S-Bahn-Erschließung, der Fernbahnhof in Spaziergangsweite und über die Stadtautobahn in 20 Minuten (2) am künftigen Großflughafen BBI.

2. Na gut. Hier geben wir nur einen halben Punkt :-). Laut einschlägigen Routenplänen beträgt die reine Fahrtzeit ohne Staus 16 Minuten. Im Berufsverkehr dürften daraus schnell 30 Minuten + Parkplatzsuche werden. Die Fahrtzeit mit der S-Bahn beläuft sich übrigens je nach Verbindung auf 35 – 45 Minuten. Aber wer fährt bei diesem Projekt schon S-Bahn….

Er wolle diese hervorragende Lage nutzen, um hier einen Verwaltungs- und Entwicklungsstandort für alles zu entwickeln, was mit Energie zu tun hat.

3. Stimmt nicht. Was die Auftraggeber von Herrn Müller wirklich wollen, ist nicht bekannt. Im B-Plan 7-29 steht jedoch nichts von Verwaltung und Entwicklung, sondern nur „Kerngebiet“. Denkbar und zulässig sind da auch Nutzungen wie Hotel, Büroflächen, Büroflächen, Großbordell, Einzelhandel.

Dies entspräche zum einen der Tradition des Geländes (3),

4. Tut es nicht. Dies ist eine Industriebrache, ein Produktionsstandort. Von Büro oder Großbordell keine Spur.

zum anderen sei der Gasometer (2) als „landmark“ ein ideales Wahrzeichen einer solchen Ausrichtung, quasi sein eigenes Markenzeichen.

5. „Landmark“ ist ein typisches „Buzzword“, also inhaltsleeres Verkäufersprech. Bedeutet Grenzstein, Landmarke oder Wahrzeichen. Falsch nach Meinung der BI Gasometer, weil die Planung des Herrn Müller aus dem Gasometer ein Bürohochhaus macht und dadurch den Denkmalcharakter zerstört.

Er wolle am Ende über 100.000 Quadratmeter (3) Mietfläche anbieten,

6. Konkret werden zur Zeit 150.000 bis 170.000 m² Mietflächen verhandelt. Ist zwar irgendwie auch „über 100.000“, aber mindestens 50 % mehr als das.

verteilt auf eine Reihe von Baukörpern entlang der Wannseebahn (4)

7. Falsch. Vor allem auch an der Südspitze des Geländes, wo der städtebauliche Entwurf des Projektentwicklers (eine verbindliche Planung gibt es ja bisher nicht) ein nadelartiges, mehr als 60 Meter hohes Gebäude vorsieht.

Dabei solle der Gasometer erhalten bleiben, sein Inneres jedoch mit einem runden transparenten (5) Gebäude gefüllt werden.

8. Falsch. Rund ja. Aber Beton. Transparente Gebäude, die wie der Gasometer etwa 45 Meter Durchmesser haben, sind noch nicht erfunden. Und wie Ute in der Lösung so schön anmerkt, „… verbietet auch die Energieeinsparverordnung reine Glasbauten“ 😉

Die Baukörper sollen von einer parkartigen Grün- und Wasserlandschaft (6) umgeben sein.

9. Ganz grobe Lüge, Herr Müller; das nehmen wir Ihnen richtig übel. Eine parkartige Grün- und Wasserlandschaft ist weder in den bisherigen Entwürfen, noch sonstwie vorgesehen. Ist auch gar kein Platz dafür bei einer so hohen Baudichte wie im städtebaulichen Entwurf des Projektentwicklers. Ganz im Gegenteil, siehe folgende Unwahrheit.

Für die Öffentlichkeit soll vor dem Gasag-Areal der schon seit langem auch vom Bezirk geplante Cherusker-Park entstehen. Dieser würde die Fläche zwischen der Ringbahn-Trasse, dem Gasag-Grundstück

10. Herr Müller (und mit ihm einige Bezirkspolitiker) reden hier über eine Fläche, die ihnen nicht gehört. Das fragliche Grundstück an der Torgauer Straße wurde vor kurzem von einer ausländischen Investorengruppe erworben. Diese hat bisher nicht die Absicht, teuer erworbenes Bauland als Park zu nutzen. Und für einen Ankauf hat der Bezirk kein Geld.

und der künftigen S-Bahn Linie 21 umfassen.

11. Äähh – wie bitte? Welche S-Bahn? Meinen Sie den im Flächennutzungsplan zur Zeit rechtsgültig als Grünfläche ausgewiesenen Streifen mit dem Namen „Cheruskerpark“, den der Bezirk vor zwei Jahren für 600.000 EUR als Grünfläche gestaltet und der von den Anwohnern lebhaft genutzt wird. Glaubt hier jemand, dass die S-Bahn rechtlich in der Lage und tatsächlich interessiert ist, eine seit Kriegsende, also seit 63 Jahren nicht mehr bestehende Gleisführung zu reaktivieren und eine S-Bahnlinie ohne Bestandsschutz in einem Abstand von weniger als 20 Metern an etwa 500 Wohnzimmerfenstern vorbei zu führen.

Müller strebt an (7), dass die Torgauer Straße zwischen Gasag-Eingang und Gotenstraße aufgegeben und dem Park zugeschlagen wird.

12. Das Streben ehrt. Nur ein Wort dazu: Das ist nicht Bestandteil des Bebauungsplans. Und die interessanten Vorstellungen einiger Bezirkspolitiker hierzu möchten wir BIler alle gern in Planform sehen, bevor hier große Töne tönen. Und wie kommen die Insulaner mit Fahrrad oder zu Fuß zum S-Bahnhof Schöneberg – über eine 2 – 4 spurige Straße, die als Autobahn ausgewiesen ist? Mit Brücke oder Tunnel oder Helikopter?

Nördlich anschließend könne dann unter dem Ringbahn-Damm hindurch Verkehr gerade auf das zu erschließende Gelände zugeführt werden, ohne dass zusätzlicher Verkehr etwa für die Rote Insel entstünde. (8)

13. Fehler eins: Die Insel umfasst auch das „Gasometer-Gelände“. Und zwar ganz unmittelbar. Also entsteht zusätzlicher Verkehr für die Rote Insel, etwa 5000 – 10000 Fahrzeugbewegungen täglich. Fehler zwei: Versuchen Sie mal, vom Alexanderplatz mit dem Auto zum „Gasometer-Gelände“ zu kommen. Wie fahren Sie? Richtig. Über die Insel.

Dies würde zugleich die Schöneberger Linse rund um den Tempelhofer Weg besser an den Verkehr anbinden. (8)

14. Tut es nicht. Die Insel wird in westlicher Richtung von einer vierspurigen Straße (Autobahnzubringer) abgeschnitten. Viel Spaß am Zebrastreifen.

Ein schwerwiegendes Problem stelle zur Zeit die Altlastenfrage dar, da der Boden an vielen Stellen mit Schwermetallen, Cyaniden und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet sei. Müller will die Bodensanierung auf hohem Standard durchführen lassen, da er ansonsten fürchtet, potentielle Mieter zu verschrecken. (9)

15. Fraglich. Bisher liegen hierzu überprüfbare Informationen nicht vor. Schade. Das wäre bei einem für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren B-Planverfahren Pflicht.

Zur Freude der Bezirksvertreter kündigte Müller an, noch in diesem Jahr mit einem Aufwand von 3,5 Mio. EURO den Gasometer sanieren zu wollen (10) der erheblich mit dem Rostfraß zu kämpfen habe.

16. Hat er gesagt. Hat er nicht gemacht.

Zur teilweisen Gegenfinanzierung wolle er mit einer Werbeanlage aus tausenden Leuchtdioden nachts Werbung in Richtung Autobahn ausstrahlen.

17. Hat er gesagt. Will er machen. Werden wir zu verhindern suchen. Gegenfinanzierung? Profitoptimierung.

Wie sagt Shakespeare’s Hamlet: „Der Rest ist Schweigen“

Über den Autor

azche24
Ich wohne mit meiner Familie direkt vor dem Gasometer auf der roten Insel in Schöneberg. Und mag dieses Industriedenkmal und Wahrzeichen seit Jahren.

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