Anfragen zur Gasometerplanung

Im Berliner Abgeordnetenhaus ist Frau Hämmerling (Grüne) aktiv und interessiert sich regelmäßig für die Gasometerplanung. Dabei ist eine verblüffende Menge von Anfragen und (Nicht-)informationen der befragten Senatsverwaltungen herausgekommen, wie eine Aktive der BI recherchiert hat…

Weiterlesen

Mieterecho berichtet

Eine ganz gelungene Zusammenfassung des aktuellen Geschehens rund um den Gasometer hat das Mieterecho der Berliner Mietertgemeinschaft in seiner jüngsten Ausgabe veröffentlicht. Aber:

Es sind derzeit 160.000 m² geplant.

Veröffentlicht unter Presse

Denkfehler: Fehlende innere Erschließung

Auf der Seite Stadtumbau-Berlin.de wird sich auch mit dem „Stadtumbau Südkreuz“ befasst. Das ist letztlich ein Fördergebiet, in dem stadträumliche Veränderungen (ich liebe diese verquaste Architektensprache) stattfinden sollen.

Schwierig wird es bei uns, also auf der Schöneberger Insel mit den Verkehrswegen. Da stimmt die Analyse bis auf den letzten Punkt:

Das Südkreuz-Areal ist im Stadtzusammenhang wie auch regional und infrastrukturell sehr gut angebunden. Die innere Erschließung des Gebiets ist jedoch unzureichend, selbst Fuß- und Radwege brechen an dessen Grenzen ab. Die vorhandenen Verkehrsflächen (Bahn, Auto) durchqueren das Gebiet derzeit nur, der Bahnhof wird als Umsteige-, nicht jedoch als Zielbahnhof von S-Bahn-Nutzern verwendet; von der Fernbahn wird der Bahnhof kaum genutzt.
Um diese Insellage aufzubrechen, ist ein übergeordnetes Erschließungskonzept notwendig, das sowohl die Liegenschaften der öffentlichen Hand als auch die zahlreichen privaten Brachflächen mit einbezieht. Zur Einbindung in den städtischen Zusammenhang ist hierfür die „Schöneberger Schleife“, ein Fuß- und Radweg, geplant, der ausgehend vom sogenannten „Flaschenhals“ über das Südkreuz zurück zum Gleisdreieck/Potsdamer Platz/Tiergarten führen soll. Die Verknüpfung der öffentlichen Räume unter Einbindung bereits vorhandener Parks und Sportanlagen soll so die mosaikartige Struktur des Quartiers zu einem zusammengehörigen Ganzen fassen und mit der Innenstadt verknüpfen.

Mal zu Ende gedacht: Warum wird dann das einzigartig zentrale Gasometer-Gelände mit seiner dreiseitigen Erschließung (im Norden der neue S-Bahnhof Julius-Leber Brücke, im Westen die S-Bahn Schöneberg, geeigneter Platz für eine kühne Fußgängerbrücke und im Süden die Torgauer Straße zum Fernbahnhof Südkreuz) nicht mal geöffnet und zum öffentlichen Raum geplant? Zur Zeit und (wenn es nach den profitmaximierten Planungen des Projektentwicklers geht auch in Zukunft) ist das eine „gated area“, also ein weißer Fleck mit unsichtbarem oder sichtbarem Zaun drumherum. Keiner soll rauf und keiner kann durch. Und so soll das auch bleiben. Sogar die Erschließung der Nordspitze (der letzte Zipfel öffentliche Fläche hinter einem mehr als 40 Meter hohen Büroturm nach der derzeitigen Planung), also

von Süden Stahlbeton und von Norden Geländeversprung

wurde in der mit Verlaub total stümperhaften Planung der Herren Projektentwickler so peinlich „vergessen“, dass nach unseren Einwänden in der vorgezogenen Bürgerbeteiligung mühsame Korrekturen notwendig waren. Die gesamte „Nordspitze“ wäre sonst komplett ohne Zugang/Erschließung gewesen.

Wer Planung ernst nimmt und nicht nur europänische Kohle abgreifen will, der sollte das GASAG-Gelände öffnen. So gehört sich Planung. Und dieser mit Verlaub skurrile Entwurf einer schneeweißen Brücke über das Südgelände passt doch hervorragend über die Dominicusstraße. Da werden die Graffitis wenigsten gesehen. Wäre auch ein netter Platz für lichtstarke Außenwerbung.

Demospaß und Energy-Cars

Unsere Demo am 05.11.2008 anlässlich der Großveranstaltung der EUREF war ein großer Spaß: Die EUREF hatte (so wurde uns von der Polizei mitgeteilt) das gesamte Rathaus Schöneberg und den gesamten Parkplatz vor dem Rathaus gemietet, um das eigene Revier deutlich zu markieren. Ordner bewachten die Zufahrt zum Parkplatz, wo unsere Aktive Sabine mit ihrem Baby Flugblätter verteilte. Der Rest der BI hatte sich optisch beeindruckend unter dem von der Firma Ströer zur Verfügung gestellten „Megaposter“ mit einer planerisch und politisch realitätsfernen und veralteten Grafik aufgestellt.

Bi-Gasometer unter dem EUREF Megaposter

Bi-Gasometer unter dem EUREF Megaposter

Zwei Mannschaftswagen mit freundlichen und interessierten Polizisten bewachten uns bestens. Der Polizei war (von wem, kann nur vermutet werden) im Vorfeld erklärt worden, es werde zu Störungen und Übergriffen durch wilde Demonstranten kommen.

Viele Interessierte und Passanten erkundigten sich und nur das feuchte Novemberwetter verhinderte eine „perfekte Demo“.

Interessant war auch der Parkplatz. Er füllte sich im Verlauf der Veranstaltung mit etwa 120 schwarzen Limousinen, von denen mit Ausnahme eines von mir gesichteten Hybridfahrzeugs keine unter 2 Liter Hubraum und 220 mg/CO2 einzustufen war. Kaum einer der Anwesenden hatte die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad genutzt. Jedenfalls diese Veranstaltung der EUREF war nicht „CO 2-neutral“.

Die Presseberichte über diese Veranstaltung waren (mit Ausnahme des immer jubelbereiten Tagesspiegel) durchaus -hmmmmmmm- diplomatisch. Die Berliner Zeitung vermeldete (bezogen auf die Person von Umweltminister Gabriel),

der Beifall war schwergewichtig

und vermeldete dann knochentrocken die etwas abstruse Faktenlage

Für die Uni gibt es noch keine Räume, die Studenten sollen dennoch bereits 2009 die ersten Lehrgänge dort absolvieren können.

Wir stellen uns das vor: Lehrveranstaltungen einer noch nicht durch die Wissenschaftsverwaltung zugelassenen Privatuniversität auf Campingstühlen in den unbeheizten Backsteinbauten von Messel – da kommt bei den Managern und Führungskräften der Energiewirtschaft so richtig Freude auf. Und die Berliner Morgenpost vermeldet,

Das Grundstück bekommt das Institut gratis von den Projektentwicklern.

Auch dies ein interessanter Sachverhalt: Von einer Übereignung von Grundstücken an die noch nicht existierende Uni war bisher nicht die Rede. Auch diese abstruse Information (oder Desinformation) lassen wir hier mal so stehen.

Treffen der BI-Gasometer

Bekanntlich treffen sich die Aktiven der BI Gasometer immer donnerstags (außer in den Schulferien). Seit November finden die Treffen immer am 1. und 3. Donnerstag im Monat um 20.00 Uhr im Café Harmonie (Cherusker/Leuthener Straße) statt.

Wem es wie mir geht und wer nicht immer gleich den Kalender dabei hat: Das nächste und letzte Treffen der BI im November findet am 20.11.2008 statt. Bis dahin 🙂

Stadtplanungsausschuss berät Gasometerplanung

Am 12.11.2008 um 17.00 Uhr berät der Ausschuss für Stadtplanung der BVV Tempelhof-Schöneberg einen Antrag der Grünen, über den wir schon im Zusammenhang mit der Veranstaltung vom 22.10.2008 berichtet hatten.

Wichtig sind aus Sicht der meisten Anwohner vor allem zwei der insgesamt 6 Punkte:

  1. Es muss planungsrechtlich verbindlich festgeschrieben werden, dass auf dem Gelände auch wirklich eine universitäre Einrichtung entsteht (Hochschule und Energiezentrum). Und zwar so verbindlich, dass die gesamte Planung gegenstandslos wird, wenn eine Nutzungsänderung stattfindet. Das bedeutet planungsrechtlich, dass hier nicht eine pauschale Ausweisung als Kerngebiet a´la Potsdamer Platz erfolgt. Denn dafür eignet sich dieses von Wohnhäusern und Eisenbahntrassen umgebene Gebiet mit seinen starken Höhenunterschieden nicht. Und wenn die angekündigte Nutzung nicht stattfindet, wird die Bauplanung gegenstandslos. Ereicht wird so etwas über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, in dem nicht nur die Art der Nutzung, sondern auch die bauliche Gestaltung genau geregelt ist. Das ist so eine Art Baugenehmigung in Form eines Bebauungsplans. Und sorgt dafür, dass nicht durch eine von keiner konkreten Nutzung getragene pauschale Ausweisung riesiger Baumassen eine Investitionsruine aus Beton entsteht. Bei einem Büroleerstand von immer noch mehr als 1.000.000 m² in Berlin ist das eine Frage der Nachhaltigkeit. Die bezirklichen Politiker müssten verantwortungslos oder sehr dumm sein, wenn sie einen pauschalen Freibrief für ein Kerngebiet mit weiteren 160.000 m2 Büroflächen ausstellen, ohne den Projektbetreiber auf ein vernünftiges Nutzungskonzept festzulegen.
  2. Die Gebäude auf dem Gasometergelände (auch ein Ausbau des Gasometers) dürfen sich baulich nicht über die Höhe der umliegenden Wohnbebauung erheben, um gesunde Wohnverhältnisse und ausreichend Belichtung für die etwa 15.000 Anwohner in den umliegenden Häusern und die Nutzer der öffentlichen Grünflächen zu ermöglichen. Das ist auch eine Frage der Ästhetik. Beton- und Glasorgien wie am Potsdamer Platz sind auf dem freien Feld vertretbar, wo ein neues Geschäftszentrum geschaffen wird. Inmitten eines Altbaukiezes wäre das jedoch eine planerische Todsünde oder, wie es der Projektentwickler und Hochschulprofessor Schultes auf der Veranstaltung am 22.10.08 sagte:

Die aktuelle Planung verhält sich nicht zur umliegenden Wohnbebauung, sondern ist architektonische Eroberung und Unterdrückung von Westen nach Osten.

Hoffen wir auf eine sachliche Diskussion für eine nachhaltige, den unterschiedlichen Interessen gerecht werdende Planung.

Was ist Bürgerbeteiligung?

Als eifriger Webmaster schaue ich immer brav nach, woher Besucher kommen. Viele bei uns kommen aus dem Deutschen Architekturforum, wo sich in einem ebenso rüpelhaften wie engagiert-stahlbetonaffinen Diskussionsthread mittlerweile viele Stimmen tummeln. Viele davon bemühen sich sehr stark um Definitionen und die damit verbundene Deutungsmacht.

Am besten heute gefiel mir die selbst beantwortete Frage „Was ist Bürgerbeteiligung?“:

Nur ist die Öffentlichkeitsbeteiligung nicht erfunden worden, damit irgend jemand seine politischen Positionen postulieren kann, damit er Architekturkritik betreibt oder seine verklärten Vorstellungen von gewachsenen Räumen manifestiert. Bürgerbeteiligung meint den Schutz vor unzumutbaren Zuständen, die Anerkennung elementarer Rechte Einzelner und ggf. den Ausgleich bisheriger Defizite.

Manchmal wünsche ich mir, Verfasser solcher Zeilen würden entweder vor dem Senden lesen oder nach dem Senden des Beitrags nachlesen. Dann würden sie merken, dass der erste Teil ziemlich genau wiedergibt, was Bürgerbeteiligung ausmacht (wenn wir uns jetzt mal die überflüssigen Adjektive wegdenken). Und würden auch merken, dass der zweite Satz ziemlich weit daneben liegt. Um Einzelne geht es weniger bei der Bürgerbeteiligung. Die elementaren Rechte von Anwohnern sollten eigentlich bereits in der Entwurfsplanung und gleichsam von Amts wegen berücksichtigt sein – aber das widerspricht wohl der Grundauffassung des dortigen Verfassers von Planung.  Und auch der Ausgleich bisheriger Defizite ist grundsätzliches Anliegen von Planung und sollte daher regelmäßig bereits vor Beginn der Bürgerbeteiligung berücksichtigt sein.

Oder wie mein Freund Frank in seiner manchmal etwas schlichten Ausdrucksweise sagen würde:

Wat quatscht der denn! Diese Betonruinen nützen doch nun wirklich niemandem, oder?

Und was bei vielen Beiträgen noch auffällig ist: Viele Architekten oder Architekturinteressierte drücken sich scheinbar noch verschwurbelter und verquaster aus als Politiker und Juristen. Nur dass die Architekten schneller das verbale Messer zücken. Kaum ein Beitrag ohne Beleidigung und Polemik.

Und worauf ein weiterer Beitrag zur Recht hinweist: Leider sind zahlreiche Beiträge dort von einem Ressentiment und einer Demagogie geprägt, das liest sich ganz furchtbar.