Werkstattgespräche im Praxistest

Eines vorweg: Welche Absicht hinter dem „Werkstattgespräch“ zum Stadtumbau Südkreuz stand, das am 22.4. im Rathaus Schöneberg stattfand, konnte trotz Nachfrage des interessierten Publikums nicht konkret beantwortet werden. Auch auf mehrfache Fragen hin war es nicht möglich, vom Leiter des Planungsamtes Kroll oder Baustadtrat Krömer verbindliche Äußerungen zu erhalten, ob die auf der Veranstaltung vorgetragenen Anregungen, Kritikpunkte etc. in die Planungen des Nord-Süd-Grünzuges und des Flaschenhalsparkes entlang der Bahntrasse einfließen werden. Der Nord-Süd-Grünzug verläuft entlang der Bahntrasse.

Überprüfbarkeit scheint nicht beabsichtigt zu sein. Dafür wurde die Versammlung umso eifriger vom Veranstalter dokumentiert – und zwar im Bild. Die auffällige und aufdringliche Bilderstellung ist vermutlich als Teil der Rechenschaftsberichterstattung zu verstehen, die unter anderem für die EU bereitzustellen ist. Fördermittel im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, dazu zählt der Stadtumbau, setzen ein Konzept für ein Beteiligungsverfahren der Bürger voraus.

Rege Bürgerbeteiligung

Die Bürgerbeteiligung in Tempelhof-Schöneberg ist rege. Gleich drei Initiativen waren vertreten: Neben der BI Gasometer ist die AG Gleisdreieck zu nennen und vor allem die Anwohnerschaft der Bautzener Straße, die besonders zahlreich erschienen war. Ganz offensichtlich taten sie dem Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) damit keinen Gefallen, dem die Veranstaltung allenfalls lästige Pflicht zu sein schien.

Hauptkritikpunkt während der Veranstaltung war die umstrittene Fläche zwischen Yorck- und Großgörschenstraße an der Bautzener Straße am westlichen Bahntrassenrand. Das Bezirksamt sieht keine Möglichkeit zum Ankauf dieser Fläche und kann damit eine sehr sinnvolle Erweiterung des Grünzuges hin zum Potsdamer Platz nicht aufgreifen. Die Fronten sind verhärtet, und der Unmut unter den direkt Betroffenen ist erheblich. Sie sehen sich trotz jahrelanger Diskussion getäuscht.

Teltowrücken

In der Tat wurde genau auf diesem Abschnitt des Grünzuges und Fahrradweges, nämlich vor und hinter der Monumentenbrücke, auch der Pferdefuß der Planungen deutlich, welche die Büros vorstellten. Der westlich der Dresdner Bahn von Süden kommende Radfahrweg (größtenteils auf einer alten erhöhten Bahntrasse) soll unter der Kolonnenbrücke verlaufen und dann aber über die Monumentenbrücke geführt werden, um dort in den zukünftigen Flaschenhalspark östlich der Gleisanlagen zu führen. Blick auf Kolonnen- und MonumentenbrückeDabei ist ein erheblicher Höhenunterschied zu überwinden. Man muss sich aus dem Bahngraben hinauf auf die Brücke begeben, um dann im Osten wieder hinunterzufahren. Der natürliche Höhenversprung durch den Teltowrücken, den Herr Kroll als Radfahrerlebnis deklarierte, kommt an dieser Stelle erschwerend hinzu. Zu hoffen bleibt, dass trotzdem ein Radweg auch unter der Monumentenbrücke verlaufen wird, zumindest bis zum entscheidenden Kreuzungspunkt mit der Großgörschenstraße. Das Bezirksamt wird hier hoffentlich nicht nur in Schleifen denken. Anhand der kurzen Präsentationen ist es im Übrigen dem Publikum gar nicht möglich gewesen, sich eine Meinung über die Planungen zu bilden und die konkreten Wegeverbindungen zu beurteilen. Über den Anschluss an den Potsdamer Platz war wenig zu hören. Das Denken in Bezirksgrenzen ist offenbar schwer zu überwinden.

Das Stadtumbaugebiet Südkreuz

Das Stadtumbaugebiet Südkreuz unterteilt das Bezirksamt in 5 Gebiete: Flaschenhals (Gleisbrache im Nordosten), Naumannstraße (mit Gewerbegebiet), Kasernen Papestraße (Tempelhof), Schöneberger Linse und das frühere Gasag-Gelände. Am 22.4. wollte man vor allem über den Grünzug entlang der Dresdner Bahn und das sogenannte Flaschenhalsgelände berichten. Die Planungen stellen einen wesentlichen Bestandteil der Wegeverbindung „Schöneberger Schleife“ dar, die zum Potsdamer Platz führen soll.

Die Projekte in diesen Gebieten werden aus Stadtumbaumitteln finanziert. Wie Planungsleiter Kroll berichtete, plant der Bezirk Maßnahmen im gesamten Stadtumbaugebiet Südkreuz in Höhe von 17-18 Mio. Euro, derzeit seien 40 Projekte im Verfahren. Allerdings seien die vorhandenen Mittel derzeit nicht ausreichend, sodass Abstriche an den Planungen nötig seien.

Bislang wurden vor allem Flächenankäufe getätigt, also eine Grundlage für die konkrete Umsetzung von Projekten geschaffen, die jetzt in die Realisierung gehen. Bereits angelegt ist der kleine Park auf einem Teil der Nordspitze des früheren Gasag-Geländes, und die Herrichtung des Schwerbelastungskörpers mit Geschichtsparcours ist ebenfalls fertig. Alle anderen Maßnahmen für öffentliche Grünflächen und Wegeverbindungen sind noch in der Planung. Und über die Nordspitze wird sicherlich noch weiter zu berichten sein. Von Bauzäunen umgeben, kann man das Resultat aber schon sehen. Im Juni soll die Grünfläche der Öffentlichkeit übergeben werden.Flaschenhalsgelände
Die südliche Spitze des Flaschenhalsgeländes rechts der neuen Bahntrasse.

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