Meilenstein

Während eine der Machenschaften von Bernd Krömer aus seiner Zeit als Baustadtrat in unserem schönen Bezirk kurz vor der Sommerpause berechtigt für viel Wirbel sorgt, sollte sein Meisterstück nicht ganz in Vergessenheit geraten. Denn auch hier hat sich aktuell etwas getan: Laut Bezirksamt und Stadtrat Krüger gibt es jetzt eine Fördermittelzusage des Senats für den Bau der Planstraße bis 2016 auf das „Euref-Gelände“ in Höhe von 5.526.720 Euro. Sie ermöglicht den Zugriff auf Wirtschaftsförderung des Bundes und macht zugleich den Bezirk zum Bauherren der Straße. So wollte es Bernd Krömer, als er in seinen letzten Amtstagen einen Nachtrag zum Städtebaulichen Vertrag mit Reinhard Müller (Euref AG) unterzeichnete. Damit spart Letzterer Millionen und hält außerdem sein Versprechen nicht ein, die neue Erschließung seines Grundstücks ausschließlich selber zu bezahlen. Das wäre recht und billig gewesen angesichts des mehr als großzügigen Baurechts, das er bekommen hat. Weiterlesen

Rostschutz und Denkmalschutz

Wir haben mit der Sanierung des Gasometers begonnen, das wird leider drei Jahre dauern, weil wir eine besondere Lasertechnologie hier verwenden, die besonders energieschonend ist.” (Reinhard Müller gegenüber der Abendschau des RBB, Sendung 3.10.11)

Gasometer Mariendorf 2012 eingerüstet

Gasometer Mariendorf 2012 eingerüstet

In unserem Bezirk stehen zwei denkmalgeschützte Gasbehälter oder das, was von den umgangssprachlich „Gasometern“ genannten technischen Anlagen übrig ist: ihre Führungsgerüste aus Eisen. Einer steht in Schöneberg und ist mit fast 80 m Höhe im Stadtbild gut sichtbar. Der Andere steht in Mariendorf, wo er sich mit seinen ca. 40 m auf einem großen Gelände an der Bahn fast versteckt. Dennoch lohnt derzeit der Blick nach Mariendorf ,1 denn dort wird das Denkmal von seinem Eigentümer, der GASAG, komplett saniert.

Eine Sanierung, d.h. die Entrostung und das Auftragen eines vernünftigen Korrosionsschutzes, dauert ihre Zeit. In Mariendorf begann man 2012 und rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2014. Die Arbeit erfolgt auf zwei „mobilen“ Gerüsten, die im Uhrzeigersinn weiterbewegt werden, sobald ein vertikaler Abschnitt fertig ist. Mit Pressluftnadlern werden in bewährter Methode die alten Farbschichten bzw. der Rost entfernt. Anschließend kommen der Rostschutz und die Farbanstriche. Weiterlesen


  1. Der Gasometer Mariendorf wurde 1901 errichtet, war aber von Wien nach Berlin versetzt worden. Im Gegensatz zum Gasometer Schöneberg der von einer deutschen Firma erbaut wurde, ist er ein englisches Fabrikat. Beide Anlagen wurden von dem Betreiber ICGA errichtet. 

Die Kostenspirale

Seit dem 12. Juni liegt der Senatsverwaltung für Wirtschaft ein Antrag des Bezirks vor, der die Subventionierung der Planstraße für „Euref“ aus Fördermitteln von Land und Bund (GRW) beinhaltet. Das war zu erwarten und ist insoweit nicht überraschend, wir haben darüber berichtet. Was aber neu ist, ist die erstaunliche Summe für die Planstraße, die der Bezirk, der ja Bauherr werden soll, veranschlagt hat: 14.168.140 Euro!1 Liegt jetzt womöglich erstmals ein seriöser Kostenanschlag vor?

Ringbahntrasse

Die Planstraße muss die Ringbahn mit S-Bahn-Trasse und Fernbahngleisen unterqueren.

Die eklatante Kostensteigerung von 9 Millionen im Februar 2012 zu 14 Millionen im Juni 2012 sollte alle Bezirkspolitiker eigentlich vor Wut schäumen lassen. Schließlich tragen auch sie dafür Verantwortung, dass Fördermittel von Bund und Land sinnvoll eingesetzt werden. Statt dessen sehen sie ihre Rolle offenbar immer noch wie schon in der abgelaufenen Wahlperiode darin, als willfährige Steigbügelhalter für Müllers Interessen zu agieren – zu Lasten der öffentlichen Hand.

Zuletzt hatte der Verkehrsplaner von Projektentwickler Müller dem Ausschuss für Tiefbau am 27.2.12 erklärt, die Straße koste rund 9 Millionen (Variante 9) und Müller sei bereit, 4 Millionen zu bezahlen. Bei einer Förderung von 60 % sollte also die öffentliche Hand eine Summe von ca. 5,4 Millionen aufbringen. In diesem Szenario hätte sich der Müller-Beitrag auf 3,6 Millionen verringert. Das scheint inzwischen Makulatur zu sein, den Ausschüssen wurde aber nicht berichtet. Weiterlesen


  1. Das hat eine Bürgerfrage in der BVV am 20.6.12 öffentlich gemacht. 

Torgauer IV: Widerstand im Geheimen

Grünflächenplanung Torgauer Straße

Grünflächenplanung Torgauer Straße

Die Grünflächen entlang der Torgauer Straße gehören zu den kostspieligsten Einzelprojekten innerhalb des Stadtumbau-Programms am Südkreuz. Das liegt vor allem an den Ankaufspreisen für die Flächen und den Kosten der Altlastensanierung.

Das Cherusker-Dreieck (Torgauer Straße 11a) wurde von der Bahn-Tochter Vivico für 320.000 Euro erworben. Hinzu kommen Kosten für die Beseitigung von Altlasten in Höhe von ca. 230.000 Euro. Das macht nur für diese Fläche schon mal 550.000 Euro. Nicht anders verhält es sich mit den bisher von Kleingewerbe genutzten  Flächen südlich der Torgauer Straße an der Ringbahn (Torgauer Straße 17-32), die bereits 2007 zunächst von der Vivico an Private veräußert wurden. Hier musste der Bezirk aus Stadtumbaumitteln 2009 1.410.000 Euro hinlegen, und auch hier gibt es noch Altlasten abzutragen.1 Es wird mit ca. 214.000 Euro für die Bodensanierung gerechnet. Ein Teil der für das Projekt insgesamt vorgesehenen 3,1 Millionen Euro (ohne Grunderwerb) sind also bereits ausgegeben oder verplant. Honorare und der Rückbau der vorhandenen Bebauung sind ebenfalls noch vor dem eigentlichen Bau der neuen Grünflächen zu berücksichtigen.

Wie kam es dazu, dass der Bezirk sich die Grundstücke nicht schon vor längerer Zeit gesichert hat und letztlich den aktuellen Verkehrswert für Gewerbeflächen bezahlen musste? Weiterlesen


  1. Über das Grundstück Torgauer Straße 17 soll u.a. die neue Planstraße zur Erschließung des Kerngebiets (Euref) auf dem Gaswerksgelände verlaufen. Reinhard Müller hat im Übrigen für den größten Teil des vormaligen GASAG-Geländes nur 1 Mio Euro gezahlt. 

Torgauer III: Geheimnisse eines Dreiecks

Graffiti einer Autowerkstatt an der Torgauer Straße

Graffiti einer Autowerkstatt an der Torgauer Straße

Großspurige Straßenplanungen sind nicht nur aktuell ein Thema für die Torgauer Straße, sondern auch Teil ihrer Geschichte. Eine Querung der Ringbahn im westlichen Bereich, wie sie derzeit zur Neuerschließung des alten Gaswerks Schöneberg für „Euref“ geplant ist, war schon einmal im Gespräch. Die Rede ist natürlich von der seit 1965 projektierten Westtangente. Kreativ und erfolgreich zog eine der ersten Bürgerinitiativen der Stadt seit 1974 gegen die Autobahnpläne ins Feld.

Wegen des Protests der BI Westtangente kamen die Befürworter der autogerechten Stadt mit ihrer Autobahn nicht weiter als bis zum Kreuz Schöneberg am Sachsendamm. Sinnfällig zeigt der Blick auf den heutigen Stadtplan, was dadurch verhindert worden ist. Den frühen Planungen zufolge wäre die Autobahn nach Norden entlang des Cheruskerparks in den Bahngraben der S1 verlaufen. Sowohl Teile der Bebauung der Cheruskerstraße als auch die meisten historischen Bauten des alten Gaswerks Schöneberg wären der Betontrasse geopfert worden. Die Rote Insel, aber vor allem die Torgauer Straße hätten ihr Gesicht grundlegend geändert. Weiterlesen

Alles Verhandlungssache

Wie berichtet, ist der Bezirk auf undurchsichtige Weise zu dem Entschluss gelangt, dass die Verkehrserschließung des Immobilienprojekts „Euref“ eine Förderung als „wirtschaftliche Infrastrukturmaßnahme“ verdiene. Derzeit ist ein Antrag auf GRW-Fördermittel bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft in Vorbereitung. Soviel zu den noch im letzten Frühjahr zu hörenden Beteuerungen, der „Investor“ bezahle selbstverständlich die Erschließungsstraße selber. Dem Bezirk war letztes Jahr schon bekannt, dass sich die Kosten der sogenannten Planstraße (in der festgelegten Variante 2b) nicht mehr bei um die 5 Millionen Euro bewegten, sondern bei geschätzten 9,3 Millionen lagen.

Anstatt der Bezirksverordnetenversammlung bei den Abstimmungen am 16.3.2011 und am 22.6.2011 korrekterweise Bericht zu erstatten, hüllte sich das Bezirksamt in Schweigen. Weiterlesen

Torgauer II: Geheimnisvolle Straßenplanung

Altes Gaswerk und Umfeld

Altes Gaswerk und Umfeld (B-Plan 7-29)

Im Teil I zur Torgauer Straße begann der Weg im Westen am Sachsendamm. Über das alte mehr als hundertjährige historische Pflaster ging es die Steigung hinauf bis zum alten Gaswerksgelände. Wie geht es hier im Westen der Torgauer weiter? Zum einen will der Bezirk Steuergelder in eine völlig überflüssige Grünfläche nördlich der Ringbahn und westlich einer neuen Planstraße an einer Bahnböschung ausgeben. Gleichzeitig steht fest, dass zur Erschließung des Bürostandorts „EUREF“ auf dem alten GASAG-Gelände diese neue Straße (Planstraße) kommen muss. Das legt der Bebauungsplan 7-29 fest, der für den Projektentwickler Reinhard Müller aufgestellt wurde. Der entsprechende städtebauliche Vertrag zwischen Bezirk und Müller aus dem Jahr 2009 ist jedoch in Bezug auf die Planstraße recht ungenau. Eindeutig ist dort aber trotzdem festgehalten:

„Auf der Grundlage des … beigefügten Vorentwurfs übernimmt der Vorhabenträger die Planung und Herstellung der noch abschließend abzustimmenden und im Erschließungsvertrag verbindlich festzulegenden Erschließungsanlagen für das Bebauungsplangebiet im eigenen Namen und für eigene Rechnung.“

Es wurde geregelt, dass die Kosten allein durch den Projektentwickler getragen werden sollten und die Straße nach Fertigstellung in den Besitz des Landes Berlin übergeht, das fortan den Unterhalt finanziert.1

Zu Beginn des Jahres wurde in den Ausschüssen für Tiefbau (23.1.12) und Stadtentwicklung (8.2.12) kurz von neuen Fakten berichtet. Auf dieser Website wurde nach Recherchen der BI erstmals ausführlicher dargestellt, was sich in den letzten Monaten hinter verschlossenen Türen getan hat. Weiterlesen


  1. Die Planstraße wird auf öffentlichem Land gebaut. Das Land Berlin hat hierzu auch neue Flächen angekauft. Eine 115 qm große Fläche direkt an der Einfahrt auf das Gelände (Bezirksbesitz) wird gegen 341 Straßenland (im Besitz einer Firma von Reinhard Müller) getauscht. 

Leuchtturm 2012 im Dunkel

Abenddämmerung mit Gasometer und KranAuffallend dunkel ist es derzeit um den Gasometer. Hell ist nur die Baustelle für Haus 7 auf dem alten GASAG-Gelände erleuchtet. Das Jahr beginnt also mit markanten Akzenten. Während die Neubebauung offenbar Priorität genießt, ist von der Sanierung des rostenden Gasbehälters nichts zu sehen.

Auch die Sanierung und Neueinrichtung des alten Maschinen- und Kesselhauses von Alfred Messel, in dem ja im Sommer laut offiziellen Auskünften die TU Studiengänge abhalten will, scheint nur zögerlich zu erfolgen. Geheimnisvoll hatte es in Pressemeldungen des vergangenen Sommers ja geheißen:

„Finanziert durch externe Investoren, werden die 1.700 Quadratmeter Nutzfläche des denkmalgeschützten roten Backsteingebäudes in den nächsten Monaten für den Wissenschaftsbetrieb umgebaut und denkmalgeschützt saniert.“

Apropos Dunkelheit, die „Nightscreen“-Werbefläche am Gasometer leuchtet schon seit Weihnachten nicht mehr. Sie wurde abgeschaltet, als immer mehr Leuchtdioden ausfielen. Dass die defizitäre Anlage derzeit für entbehrlich gehalten wird, ist wohl bezeichnend. Schließlich wurden auch 2011 keine Gewinne erzielt. Hat das sinnlose „große Flimmern“ an einem Baudenkmal ein endgültiges Ende gefunden? Weiterlesen

Torgauer I: Geheime Geschenke

Torgauer Straße

Torgauer Straße

Auf den ersten Blick gibt es kaum eine unattraktivere Straße in Schöneberg. Wenn man zwischen den Eisenbahnbrücken am S-Bahnhof Schöneberg in die alte mit Kopfstein gepflasterte enge Straße abbiegt, die zwischen hohen Mauern eingezwängt ist, verlässt man den Sachsendamm und befindet sich in der Torgauer Straße. Alles andere als einladend, führt sie bergan und bietet neben holprigem Pflaster den vermutlich engsten Bürgersteig Schönebergs.

Ein großes Immobilienschild am Sachsendamm verkündet die Heilsbotschaft eines Immobilienprojekts, wenn man sich durch die Gasse hindurch wagt: Das „Europäische Energieforum“ wirbt um Partner.

Werbeschild am Sachsendamm

Werbeschild am Sachsendamm

Oben angekommen sieht man zunächst nichts von den Phantasien des Projektentwicklers Reinhard Müller. Eine Einfahrt führt auf das Gelände Torgauer Straße 12-15, auf dem als erstes die schon lange ansässige Firma Begatec zu sehen ist. Ein Backsteingebäude an der Straße in gotischem Stil verrät jedoch, wer hier einst residierte, nämlich die erste Gasanstalt südlich von Berlin, die sich an der Berlin-Potsdamer-Eisenbahnstrecke 1871 niederließ. Das Reglerhaus diente der Einspeisung des Gases in das öffentliche Netz. Weiterlesen

Guten Abend!

ContainerdorfDa musste man sich erst mal die Augen reiben: Kaum zu glauben, was man da sah in der Abendschau am 3. Oktober 2011. War das wirklich das Gasometer-Gelände Schöneberg in seinem jetzigen Zustand?

Der markante Gasbehälter ist natürlich fotogen, und die Kamera setzte ihn immer wieder in Szene – allerdings ohne die zahlreichen Löcher, die roten Türen, die umgebenden Container und die immer weiter um sich greifenden technischen Geräte für Klimatechnik und Gebläse, die offenbar notwendig für das Betreiben eines funktionierenden Fernsehstudios sind.

Dafür gab es reichlich Schaubilder des Projektentwicklers aus der Vogelperspektive, die immer wieder mal kurz eingeblendet und mit der Kamera im Schwenk gezeigt wurden. Ordentlich kommentiert wurden sie nicht. Aber es ging ja ohnehin so schnell, dass der Abendschau-Zuschauer sich genauso wenig einen Eindruck verschaffen konnte wie vom tatsächlichen Zustand des Geländes heute.

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