140 Jahre Gaswerk Schöneberg

Am Wasserbassin des Gasometers IV, um 1913

Am Wasserbassin des Gasometers IV, um 1913

Zum Tag des offenen Denkmals lädt die BI Gasometer am Samstag (10.9.) und Sonntag (11.9.) um 12, 14 und 16 Uhr wie im letzten Jahr zu Führungen ein. Wir starten im nördlichen Cheruskerpark (Eingang ist in der Cherusker-/Ecke Roßbachstraße) und führen durch das Parkgelände am früheren Gaswerk entlang bis zur Torgauer Straße. Das Grundstück und der Gasometer werden für Besucher am Wochenende geschlossen sein.

Unterwegs wollen wir von der Gründung des Gaswerks vor 140 Jahren bis hin zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Gelände berichten. Alle sieben denkmalgeschützten Bauwerke werden bei der Führung Thema sein. Einen Schwerpunkt erhält natürlich das Wahrzeichen Schönebergs, der 78 m hohe Gasometer. Weiterlesen

Denkmalpflege durch Verhüllung

Schleusenhaus mit Baum (verhüllt)

Was Sie hier sehen, ist keine EUREF-Litfasssäule, sondern ein Denkmal. Das so genannte Schleusenhaus steht zusammen mit dem Schöneberger Gasometer auf der Denkmalliste und ist daher nach dem Denkmalschutzgesetz Berlin geschützt. Es darf nach § 11 des Gesetzes nicht ohne Genehmigung der zuständigen Behörde in seinem Erscheinungsbild verändert, werden.1

Die Veränderung an diesem Denkmal ist offensichtlich. Besser gesagt, das Denkmal ist verhüllt, und zwar fast vollständig bis auf das Dach. Eine umfassendere Verschandelung eines Denkmals ließe sich wohl nur durch einen kompletten Abriss erreichen. In jedem Fall ist eine solche Veränderung genehmigungspflichtig.

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  1. § 11 Abs. 1 Nr. 1 DenkmalschG Berlin 

Das Märchen vom Denkmalschutz – oder: Die Tür, die nicht passte

Es war einmal ein selbsternannter Denkmalschützer, der immer großen Wind um seine  Aktivitäten in diesem Bereich machte. Dazu gehörte die berühmte Verhüllung des Brandenburger Tors mit Telekom-Reklame ebenso wie die legendäre Werbenutzung des Charlottenburger Tores. Nun wollte sich der König der Denkmalschützer einmal an einem Industriedenkmal versuchen und kaufte den Schöneberger Gasometer. Da sollte Großes entstehen – ein Energie-Forum, eine Energie-Universität, ein ganz besonderes und sehr hohes Hotel und viele viele Quadratmeter Büroraum.

Weil das alles nicht so lief, baute der kleine König der Denkmalschützer einen gebraucht gekauften Behelfsbau im Schöneberger Gasometer auf, den nannte er „WM-Kuppel“. Das war schön im Sommer und kalt im Winter, weil die Fußbodenheizung unter dem Folienzelt nicht funktionierte. Also schnitt der Denkmalkönig Löcher in die Stahlwände des Gasometers für Lüftungsrohre, die sahen von innen so aus:

Lüfungsrohr durch die Wand des Wasserbehälters; Foto: www.bi-gasometer.de

Lüfungsrohr durch die Wand des Wasserbehälters; Foto: www.bi-gasometer.de

Das Bezirksamt erfuhr davon erst recht spät, als die Löcher schon geschnitten waren. Und weil das Bezirksamt dem kleinen Denkmalkönig nicht gram sein wollte, genehmigte es diese Löcher nachträglich.

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Führungen „Schöneberger Gasometer und Rote Insel“

Zum Tag des offenen Denkmals lädt die BI Gasometer am Samstag (11.9.) und Sonntag (12.9.) um 12, 14 und 16 Uhr zu Führungen ein. Wir starten im nördlichen Cheruskerpark (Eingang ist in der Cherusker-/Ecke Roßbachstraße) und führen durch das Parkgelände am früheren Gaswerkgrundstück entlang, also „rund um den Gasometer“.

Der alte Gasbehälter, der das Schöneberger Stadtbild seit 100 Jahren prägt, soll im Mittelpunkt stehen. Aber auch „drumherum“ gibt es viele interessante Themen. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig, und die Führungen sind kostenlos.

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Veränderungen

Veränderungen und Umbauten am Gasometer

Gasometer: Eingangstür Ostseite

Gasometer: Eingangstür Ostseite

Es sah seltsam aus rund um den Schöneberger Gasometer. Getigerte Handläufe, silberfarbene Rohre, Container, Bretterverkleidungen und eine knallrote Tür waren Anfang April 2010 vom Cheruskerpark aus zu beobachten, wie auf den Bildern zu diesem Artikel zu sehen. Mit Denkmalschutz scheint dies wenig zu tun zu haben. Empörte Anwohner beschwerten sich vielmehr über unzulässige Veränderungen am denkmalgeschützten Gasometer.

Wenig erhellend sind auch die Informationen, die das Bezirksamt und die Senatsverwaltung zum Thema geben. Wie die zuständige Senatsverwaltung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Claudia Hämmerling mitteilte,

wurden mehrere kleine Eingriffe in die Wandung des Gasometers eingebracht, die aber teilweise wieder zurückgenommen wurden. Dies geschah ohne denkmalrechtliche Genehmigung.

In dem wegen dieser Veränderungen eingeleiteten Anhörungsverfahren hat der Eigentümer sich laut Auskunft der Senatsverwaltung

dahin gehend geäußert, dass nicht er selbst, sondern der Betreiber der Veranstaltungshalle die Maßnahmen veranlasst hat.

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TAZ: Investor kratzt am Denkmal

Unter dieser Überschrift berichtet die TAZ am 24.03.2010 über den lockeren Umgang von „Mr. Bauqualität“ Reinhard Müller, dem Projektentwickler am Gasometer, mit dem Denkmalschutz. Müllers Mannen hatten ohne Genehmigung oder Wissen des Bezirksamts bereits vor längerer Zeit Löcher in die grüne Hülle des denkmalgeschützten Gasometers gesägt. Entdeckt und angezeigt wurde dieser Sachverhalt durch einen Aktiven der BI Gasometer, der aus diesem Grund Ordnungswidrigkeitenanzeige gegen die Verantwortlichen bei Müllers Mannen erstattet hat.

Eines der Löcher am Gasometer

Eines der Löcher am Gasometer

Bekanntlich hatten Müllers Mannen im August 2009 eine ETFE-Membrankuppel mit Fußbodenheizung und ohne Isolierung in die Hülle des Gasometers bauen lassen, um dort Veranstaltungen durchführen zu können. Dabei kam es zu baulichen Veränderungen am grünen Wasserbehälter des Gasometers. Auch die WM-Kuppel war nach Berichten von Teilnehmern solcher Veranstaltungen nicht der große Hit, weil ziemlich kalt.

Auch andere Aktivitäten Müllers lösten Probleme und Zweifel bei Bezirk und Anwohnern aus: Von der Sanierung des Gasometers, zu welcher sich Müller in einem als „Chefsache“ von Bezirksstadtrat Bernd Krömer (CDU) persönlich mit Müller geschlossenen Vertrag verpflichtet hatte, hörte man bereits seit Frühjahr 2009 nichts mehr. Der Leiter des Amtes für Denkmalschutz wird in der TAZ dazu zitiert mit den Worten

Da wurde marginal etwas gemacht, aber wir hatten mehr erwartet.

Fotomontage: Vertrauensbruch am Gasometer

Fotomontage: Vertrauensbruch am Gasometer

Für die ganz Dummen: Die neben diesen Zeilen stehende Fotomontage zeigt kein in diesem Artikel erwähntes- oder ein anderes Loch, sondern illustriert symbolisch einen am Schöneberger Gasometer nicht körperlich vorhandenen Riss/Bruch/Vertrauensbruch zwischen Bezirksamt und Betreiber des Gasometers.

Wer in diesem nach oben offenen Spalt oder auch Riss ein Loch erblicken möchte, sollte sich zuvor über die Bedeutung des Wortes „Loch“ im Gegensatz zu einem „Riss“ oder „Spalt“ informieren. Auch mit geringeren sprachlichen Fertigkeiten ist wohl erkennbar, dass ein Loch allseitig umschlossen ist. Der in dem geschilderten Artikel der TAZ beschriebene- und in der Fotomontage illustrierte Riss in den Beziehungen zwischen Bezirksamt und Projektentwickler ist in keiner Weise identisch mit den hässlichen Löchern, die in den Wasserbehälter des Gasometers gesägt wurden.

Und zuletzt soll es über die Verlängerung des Maulkorbvertrages mit Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD), einem in unseren Augen besonders unappetitlichem Beispiel von Geldvergabe an Politik, zum Zerwürfnis gekommen sein. Der Vertrag wird nun angeblich nicht verlängert, obwohl jedenfalls Vertreter von SPD und CDU zuvor übereinstimmend erklärt hatten, an einer solchen Vertragsgestaltung sei überhaupt nichts auszusetzen.

Weitere Informationen:

Bedenken der Denkmalpflege werden konkreter

Wie die Berliner Zeitung heute meldet, sind die starken Bedenken der Denkmalpflege zum Bauprojekt auf dem Gasometergelände jetzt deutlicher und konkret formuliert worden. Dies war nach der Sitzung des Landesdenkmalrates, wo es dem Vernehmen nach deutliche Worte zum unverantwortlichen Umgang des Projektentwicklers mit den Baudenkmälern auf dem Gelände und dem Gasometer gab, in dieser Form zu erwarten.

Die Kritik deckt sich mit den Einwänden der Anwohner: Die viel zu hoch und auch zu dicht angelegte Bebauung auf dem Gelände und vor allem auch der Ausbau des Gasometers müssen noch einmal grundlegend überarbeitet werden, formuliert die Denkmalpflege. Vorläufiges Fazit: Es wird deutlich niedriger und weniger für Projektenwickler Müller.

Potsdamer Platz am Gasometer

Unsere „‚Grafikabteilung“ in der Cheruskerstraße hat wieder zugeschlagen: Zur Vorbereitung der Veranstaltung am Donnerstag, dem 12.06.02008 hat Heike eine Grafik erstellt, aus der die Baumassen der gegenwärtigen Planung sehr gut erkennbar sind und auch, wie der Gasometer dadurch verschandelt, „verzwergt“ und verunstaltet würde:

Gasometer und Baumassen

Die Grafik montiert ein reales Foto vom Dach eines Hauses (Cherusker/Rossbachstraße, etwa 20 Meter Höhe) gegen ebenso reale Ansichten der Bauten des Potsdamer Platzes. Die mit Verlaub Übelkeit erregende Füllung des Gasometers wurde aus einem Foto der Modelle des Projektentwicklers Müller extrahiert. Weitere Ansichten des Gasometers immer aktuell auf www.gasometer-schoeneberg.de . Wer will das, wer braucht das?

Gasometer dynamisch – eine kluge Idee

Eine gute Idee kam per Email an uns. Ich gebe das hier einfach wieder:

Kürzlich habe ich mit Freunden, die in der Cheruskerstr. wohnen, über das Gasometerprojekt gesprochen. Aufgefallen ist mir bei dem Rückgriff auf den Denkmalschutz und der damit verbundenen Festlegung der Neubauhöhe auf die maximale Höhe des Druckbehälters im bestehenden Stahlgerüst, dass historisch betrachtet, die Funktionshöhe des Druckbehälters je nach Gasverbrauch im Tages-und Nachtzyklus unterschiedliche Höhenpegel verursachte. Damit wurden unterschiedliche Volumenansichten erzeugt, mit differenzierten Durchblicksituationen für den Betrachter.

Nimmt man diese variable Funktion des Druckbehälters als Maßstab zur Bemessung für eine Durchschnittshöhe, so würde man im Ergebnis, denke ich,zunächst rein theoretisch unter der jetzt angestrebten Maximalhöhe liegen und würde damit einen interessanten und glaubwürdigeren Bezug zu einer,sich vormals in Bewegung befindlichen Vesorgungseinrichtung ( heute Industriedenkmal ) herstellen.

100% konsequent wäre dann ein hydraulisch betriebener flacherer Baukörper, der sich in der Höhe z.B. nach Sonnenständen nach oben oder nach unten verändert (investorenfeindlich).

Eine hervorragende Idee, finde ich. Wir Anwohner und Schöneberger lieben den Gasometer als Industriedenkmal. Er bekommt seine Gestalt durch die filigrane Gitterstruktur, die wegen ihrer enormen Ausmaße weithin sichtbar ist. Alte Schöneberger wissen, dass der Gasometer immer höchstens bis zum 4. Ring nach oben gefahren war im Betrieb. Und das war selten genug. Der Gasometer war also in seinem historischen Zustand (den der Denkmalschutz erhalten müsste) eigentlich immer zu maximal 2/3 hochgefahren und das auch nur über kurze Phasen.

Ein massiver Klotz, wie das der Investor jetzt plant und auf seinen inhaltlich falschen Modellen auch des historischen Gasometers darstellt, war der Gasometer auch zu seinen aktiven Zeiten vor mehr als 20 Jahren nicht.