Planungsstand: Eins, Zwei, Drei

Lageplan Gasometergelände

Ganz schnell gab es in der Bezirksverordnetenversammlung vom 22. Juni 2011 noch etwas zu erledigen, bevor die Wahlperiode ausläuft: Weil die Nibelungentreue von CDU und SPD zu Projektentwickler Reinhard Müller seit 2008 so gut funktioniert hat, wollte man ihm noch die Planreife für mehrere Bauanträge auf dem alten Gasag-Gelände gönnen, die wir auf der nebenstehenden Grafik (nach unserem Informationsstand) darstellen.

Neben Baufeld 7 ist es jetzt auch auf  den Baufeldern 8, 6 und 15 (Ost) erlaubt, ein Hochhaus zu errichten. Welche Nutzung hat der Grundstückseigentümer, der das Gelände einst als „Europäisches Energieforum“ inszenierte, in den Bauanträgen angegeben? Jeweils Bürogebäude mit Tiefgarage! Wer sich aber für die insgesamt rund 46.000 qm neuer Gewerbefläche interessieren sollte, ist nicht bekannt.

Klar ist hingegen, dass dem einfallsreichen Projektentwickler mangels notwendiger verkehrlicher Erschließung durch eine neue Straße von Süden weitere Neubauten vorerst nicht mehr genehmigt werden können. Die BVV hat ihm also auf Vorrat Baurechte bewilligt und damit allen bewiesen, dass das Konzept eines Energie­forums tatsächlich eine Luftnummer war.

 

Veränderungen

Veränderungen und Umbauten am Gasometer

Gasometer: Eingangstür Ostseite

Gasometer: Eingangstür Ostseite

Es sah seltsam aus rund um den Schöneberger Gasometer. Getigerte Handläufe, silberfarbene Rohre, Container, Bretterverkleidungen und eine knallrote Tür waren Anfang April 2010 vom Cheruskerpark aus zu beobachten, wie auf den Bildern zu diesem Artikel zu sehen. Mit Denkmalschutz scheint dies wenig zu tun zu haben. Empörte Anwohner beschwerten sich vielmehr über unzulässige Veränderungen am denkmalgeschützten Gasometer.

Wenig erhellend sind auch die Informationen, die das Bezirksamt und die Senatsverwaltung zum Thema geben. Wie die zuständige Senatsverwaltung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Claudia Hämmerling mitteilte,

wurden mehrere kleine Eingriffe in die Wandung des Gasometers eingebracht, die aber teilweise wieder zurückgenommen wurden. Dies geschah ohne denkmalrechtliche Genehmigung.

In dem wegen dieser Veränderungen eingeleiteten Anhörungsverfahren hat der Eigentümer sich laut Auskunft der Senatsverwaltung

dahin gehend geäußert, dass nicht er selbst, sondern der Betreiber der Veranstaltungshalle die Maßnahmen veranlasst hat.

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Werkstattgespräche im Praxistest

Eines vorweg: Welche Absicht hinter dem „Werkstattgespräch“ zum Stadtumbau Südkreuz stand, das am 22.4. im Rathaus Schöneberg stattfand, konnte trotz Nachfrage des interessierten Publikums nicht konkret beantwortet werden. Auch auf mehrfache Fragen hin war es nicht möglich, vom Leiter des Planungsamtes Kroll oder Baustadtrat Krömer verbindliche Äußerungen zu erhalten, ob die auf der Veranstaltung vorgetragenen Anregungen, Kritikpunkte etc. in die Planungen des Nord-Süd-Grünzuges und des Flaschenhalsparkes entlang der Bahntrasse einfließen werden. Der Nord-Süd-Grünzug verläuft entlang der Bahntrasse.

Überprüfbarkeit scheint nicht beabsichtigt zu sein. Dafür wurde die Versammlung umso eifriger vom Veranstalter dokumentiert – und zwar im Bild. Die auffällige und aufdringliche Bilderstellung ist vermutlich als Teil der Rechenschaftsberichterstattung zu verstehen, die unter anderem für die EU bereitzustellen ist. Fördermittel im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, dazu zählt der Stadtumbau, setzen ein Konzept für ein Beteiligungsverfahren der Bürger voraus.

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Ed Koch träumte von Baggern

Unter dem etwas verschwiemelten Titel „Wenn Träume beginnen, wahr zu werden“ berichtet der laut Impressum Jugend- und kommunalpolitische Pressedienst Berlin Paperpress über Spatenstiche für eine Altlastensanierung, die Baurechtler auch schon als baurechtswidrigen Beginn von Bauaktivitäten ohne Genehmigung einzuordnen versucht haben.

Nach einem längeren inhaltsarmen Vorspann (Projektentwickler Müller hörte in den 70ern den Gasometer knirschen und Bürgermeister Band selbst legt Hand an den Bagger) wird dann aus der durch unseren Pressesprecher Jörn Dargel verfassten Pressemitteilung zitiert. Kommentiert vom Pressesprecher der Euref, welcher sich zu einer Unmenge launiger Anmerkungen in herbei lässt.

Aus den Kommentaren ergibt sich auch, wie dünn das Eis ist, auf dem sich die Pressearbeit der EUREF bewegt.

keine Verhandlungen eines künftigen Trägers zur Einlei-tung des förmlichen Verfahrens bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung, die für die Anerkennung der Abschlüsse jeder Hochschule erforderlich ist. Kommentar: „doch – die gGmbH ist gegründet“

Solche Verlautbarungen zeigen in meinen Augen wenig Verständnis der Zusammenhänge einer Universitätsgründung: Die GmbH ist gegründet aber die Wissenschaftsverwaltung weiß weiterhin von nichts.

Schwer verständlich auch das Fazit dieses Beitrags: Die BI Gasometer solle sich zu einem ungestörten Dialog mit dem Projektentwickler („ohne Presse“) einfinden und überhaupt seien nur 6 Leute bei der EUREF-Häppchenparty gewesen.

Was eine glatte Lüge ist: Es waren bei unserer kleinen Aktion je nach Uhrzeit 12 – 20 Menschen versammelt, jedenfalls mehr als „ca. 6 Personen“. Und den Dialog mit Projektentwickler und ihren beruflichen Wünschen pflegt die BI Gasometer bisher und zukünftig in der dafür vorgesehenen Form, nämlich durch Bürgerbeteiligung sowie Anregungen und Einwände im Planungsverfahren. So wie das Baugesetzbuch das vorsieht. Denn mit dem Projektentwickler im Hinterzimmer Dinge zu besprechen – das ist nicht unser Stil. Und ob 160.000 m² Stahlbeton Schöneberg gut tun – das lassen wir auch besser die Fachleute entscheiden.

Energieuni möchte nach Tempelhof

Wie die Berliner Morgenpost meldet, möchte die Energie-Uni, ein als Privatuniversität angelegtes Projekt für Spitzenkräfte der Energiewirtschaft, nunmehr auf dem Flughafen Tempelhof heimisch werden.

Immer nebulöser werden dagegen die Nutzungspläne der Projektentwickler auf dem Gasag-Gelände.

Während früher noch die Energie-Uni ein fester Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der EUREF war und bei jeder Gelegenheit als eine der wichtigen Nutzungen des Gasometers nach dessen Ausbau zu einem Bürohochhaus dargestellt wurde, wurde bereits im August in diversen Presseveröffentlichungen kolportiert, die Uni könne sich auch einen anderen Standort vorstellen. Etwa zur selben Zeit verschwanden der Berliner Bauunternehmer Klaus Groth und der früher ebenfalls bei der EUREF tätige Herr Ogirenko aus dem Internetauftritt und den Personalien der EUREF.

Was die SPD Schöneberg wirklich mit dem Gasag-Gelände vorhat

… erschließt sich sehr anschaulich aus einer Presseerklärung der SPD Schöneberg, die hier erhältlich ist. In der recht aufschlussreichen Begründung eines BVV-Antrags heißt es dort:

Das ehemalige GASAG-Gelände liegt mitten im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Es ist für alle Verkehrsarten erschlossen. Mit seinem Entwicklungspotenzial kann es der Motor für eine Gebietsdynamik der angrenzenden Schöneberger Insel / Linse ein. Die dafür notwendigen Klärungen sollten auch unter Beachtung der besonderen Interessenslage des Bezirks möglichst frühzeitig gemeinsam mit dem Investor geklärt werden, um optimale Planungssicherheiten zu schaffen.

Das bedeutet: Wir haben da ein recht interessantes Grundstück in Schöneberg, für das wir aber weder einen Plan, noch eine Idee haben. Daher sind wir als SPD Schöneberg bereit, mit jedem dahergelaufenen Investor ein wenig zu kungeln, damit der Investor uns diese politische Verantwortung möglichst weitgehend abnimmt. Im Gegenzug verschaffen wir dem Investor dann das notwendige Baurecht ganz nach Wunsch. Und die Klärungen werden geklärt.

Angesichts der besonders starken Bodenbelastung (Altlasten) der Flächen u.a. in der sog. Nordspitze) ist eine durchgreifende Sanierung und nicht nur die Sicherung der Fläche geboten. Dies erfordert einen erheblichen finanziellen Aufwand, der womöglich nicht voll von der GASAG getragen wird, sondern den Einsatz zusätzlicher Mittel voraussetzt. Ein nur gesichertes Gelände mit einem öffentlichen Sport- und Spielplatz führt allerdings zu unübersehbaren Risiken für die Benutzer. Daher ist neben einer Prüfung der Finanzierungsmöglichkeiten zur Bodensanierung auch eine Verlagerung der öffentlichen Freiflächen zu prüfen.

Das heißt: Wir wissen, dass die Nordspitze des Gasag-Geländes ganz heftig mit Altlasten verseucht ist. Deswegen darf dort auch keine Buddelkiste eingerichtet werden. Wir wissen auch, dass es nicht ausreichend ist, vergifteten Boden mit Plastikfolie abzudecken, wie dies auf der Nordspitze des GASAG-Geländes geschehen ist. Die Gasag als Eigentümerin möchten wir bezüglich der nachhaltigen Sanierung dieser Umwelt-Altlasten aber lieber nicht in Anspruch nehmen. Das wäre uns zu kompliziert und konfliktträchtig. Lieber machen wir das selber. Wir haben aber kein Geld. Daher setzen wir uns dafür ein, dass die dort eigentlich geplanten Grünflächen verlagert werden. Der Investor kann dann dort auch besser Betonfundamente errichten.

Der Grundsatz einer zielstrebigen Schaffung der Planungssicherheit ist auch im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der S 21 zu beachten, wonach spätere Nutzungseinschränkungen auszuschließen sind.

Das heißt: Wir wissen, dass auf der östlichen Seite des GASAG-Geländes eine eine seit Jahrzehnten stillgelegte S-Bahntrasse verlief, welche aber immer noch in den Planungsunterlagen auftaucht. Es ist uns egal, dass der Bezirk diese S-Bahntrasse vor wenigen Jahren mit einem sehr schönen und durch die Bewohner des Viertels sehr stark genutzten Park belegt hat, der immerhin 600.000 EUR gekostet hat. Das ist uns egal, weil es nicht unser Geld war. Das Geld haben wir aus einer Tiefbaumaßnahme übrig gehabt. Es ist uns klar, dass diese S-Bahntrasse jedenfalls in den nächsten 15 Jahren nicht gebaut wird, weil die S-Bahn da keinerlei aktuelle Planung hat. Trotzdem fordern wir mal eben, dass die S-Bahntrasse planungsrechtlich gesichert wird und nehmen in Kauf, dass der Park dann geschlossen werden kann, wenn die S-Bahn wieder bauen will. Das ist uns egal, weil wir ja ohnehin keinen Plan haben und Platz für einen anderen Park in der Nähe auch nicht.

Erste öffentliche Veranstaltung der BI Gasometer

Heute fand die erste öffentliche Veranstaltung zum Ausbau des ehemaligen GASAG-Geländes zu einem Bürozentrum statt. Etwa 100 Bürgerinnen und Bürger verschafften sich einen ersten Überblick und beschlossen die Bildung einer Bürgerintiative, um die weiteren Planungen kritisch zu begleiten.

Der Bezirksverordnete Ralf Kühne berichtete, dass Gegenstand des bevorstehenden Bebauungsplanverfahrens eine sehr massive Bebauung des ehemaligen Gasag-Geländes ist. Dies soll nach ersten Informationen folgende Merkmale aufweisen:
mindestens 1.000.000 m² Nettogeschossfläche mit Bürobauten

  • vollständige Ausfüllung des Gasometers mit einem massiven Baukörper
  • Baukörper mit einer Höhe von 35 – 65 Meter Höhe entlang der gesamten S-Bahn Trasse. Das Volumen der geplanten Baukörper ist vergleichbar dem sandsteinfarbenen Gebäuderiegel vom Potsdamer Platz bis zum Schöneberger Ufer
  • auf dem stark verschatteten und vollständig mit Altlasten verseuchten Zipfel im Norden des Geländes soll eine kleine Grün- und Freizeitfläche entstehen („Nordspitze“)
  • um diese ehrgeizigen Pläne verwirklichen zu können, ist die Aufstellung eines Bebauungsplans erforderlich
  • der Bebauungsplan soll so schnell wie möglich verabschiedet werden, damit möglich bereits im Winter 2008/2009 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann